Against Digital Distinction: Was tun gegen den Participation Divide?

by Monika Schreiber

Internetbanking, Zugverbindung suchen, Preise vergleichen – diese Aktivitäten gehören zu unserem Alltag. Wir nutzen das Internet so effektiv, dass wir uns Zeit, Geld und manchmal sogar unnötigen Ärger sparen. Diese Erleichterungen haben bereits viele im Griff und nicht nur digital Natives können mit diesen mittlerweile Basics umgehen.

Außerdem haben wir die Macht mit dem Medium unsere Meinung zu äußern. Egal ob politisch oder um sich selber zu vermarkten, das Internet verbreitet schnell und einfach Informationen. Anhand von Blogs, Videos, Musik, etc. können wir unsere Ideen ausdrücken.

Resnick spricht von einer „kreativen Gesellschaft“, in der man mit Wissen alleine nicht mehr weit kommt. In der heutigen ständig wachsenden Welt muss man kontinuierlich Probleme kreativ lösen. Um erfolgreich zu sein ist es nicht wichtig viel zu wissen, sondern intelligent zu handeln und stets kreative Lösungen zu finden (vgl. Resnick, 2007, S.18).

An jeder Ecke hat man Wifi und man kann damit Wissen aufsaugen und obwohl es mittlerweile schon überall so leicht zugänglich ist, gibt es Menschen die nicht ganz so effektiv das Internet nutzen können (vgl. Hargittai & Walejko, 2008, S. 240). Diese geteilte Beteiligung nennt man „Participation Divide“ (vgl. Hargittai & Walejko, 2008, S. 240)

DiMaggio et.al (2004) haben erkannt, dass der alleinige Zugang zum Internet nicht heißt, dass es auch vom Nutzer produktiv genutzt wird (DiMaggio et.al. zit. nach Nicole Zilien, 2009, S.275). In den Studien wurde technisches Equipment, digitale Erfahrung und themenspezifische Interessen der Befragten miteinbezogen (vgl. Nicole Zilien, 2009, S.275).

Doch wie kommt es zustande, dass es heutzutage überhaupt noch Menschen gibt, die das Internet weniger effektiv nutzen wie andere?

Eigentlich nimmt man an, dass Kinder in unserer Zeit die beste und effizienteste Internetnutzung in die Wiege gelegt bekommen, die man sich nur vorstellen kann. Es gibt zahlreiche Studien in denen dieses Phänomen untersucht wurde.

Beispielweise im vereinten Königreich und in den vereinigten Staaten wurden Untersuchungen durchgeführt bei denen sichtbar wurde, dass Kinder die aus sozioökonomisch schlechter gestellten Schichten kommen weniger wahrscheinlich den Internetzugang profitable nutzen als die höher gestellten (vgl. Hargittai & Walejko, 2008, S. 240)

Sowie Studien in Österreich in der 8. Schulstufe haben ergeben, dass HauptschülerInnen und insbesondere Mädchen mit niedrigem Sozialstatus besonders nachhinken und daher mehr Betreuung in den Schulen sowie zu Hause benötigen würden (vgl. Parycek, Maier-Rabler, Diendorfer, 2010, S. 230 ff ).

Auch eine Analyse der Daten von Allensbacher Computer and Technology Analysis (ACTA) 2004, die detaillierte Informationen von der Internetnutzer beinhalten hat auch ergeben, dass Menschen mit höherem sozioökonomischen Status mehr kapitalfördernden Aktivitäten im Internet nutzen als das weniger privilegierte Gegenüber (vgl. Zillien, Hargittai, 2009, 279 ff.)

Die soziale Ungleichheit ist also einer der Auslöser, neben Geschlecht oder Alter, für die unterschiedliche Nutzung des Internets verantwortlich ist. Die wirtschaftliche Situation weltweit fördert soziale Unterschiede und daher muss man Wege finden um die Benachteiligten zu fördern.

Wir als zukünftige MediengestaltungslehrerInnen haben die Aufgabe und damit auch die Chance genau auf diese Problematik einzugehen und in Schulen das Denken zu fördern und anzuregen den SchülerInnen genügend Mittel zu schaffen um ihre Internetkompetenzen so zu stärken, dass sie in der Zukunft davon profitieren. Diese Mittel sind rar und scheinen in manchen Schulen noch gar nicht angekommen zu sein, ich spreche hier von entsprechenden PC Räumen, schnelle Internetverbindung und ausgebildetes Personal.

Das Ziel einer guten Informationsgesellschaft ist es für alle die gleiche Chance zum Erwerb von Fähigkeiten im Zusammenhang mit den neuen Technologien zu ermöglichen (vgl. Parycek, Maier-Rabler, Diendorfer, 2010, S. 230 ff ).

Es gibt sogenannte Werkzeuge um die Kreativität und das kreatives Denken der Menschen zu fördern (vgl. Resnick, 2005, S.5). Diese werden teils schon in der Schule angeboten, doch leider noch nicht genügend eingesetzt. Eines dieser Werkzeuge ist Scratch, es ist dazu da um den SchülerInnen bereits im Jugendalter Medienkompetenz zu vermitteln.

Hier ein Interview von dem Macher von Scratch Mitch Resnick persönlich. In dem Video erklärt er die Grundidee von Scratch und wie es zum Lernen genutzt werden kann.

Genau wie Scratch sollten Möglichkeiten gefunden werden um kreatives Denken zu fördern und Informationen vom Internet konstruktiv genutzt werden können. Wie oben schon erwähnt kommt es bei sozioökonomisch schlechter gestellten Schichten oft vor, dass sie nicht so kreativ tätig werden und auch weniger selbstgestaltete Inhalte (ob Texte oder Fotos, Videos, etc.) mit anderen im Netz teilen. Warum genau diese soziale Schicht das Ingternet nicht zu ihrem Vorteil nutzt kann daran liegen, dass sie ihre eigenen Ideen oder Gedanken als weniger relevant empfinden (vgl. Mara, 2013).

Für die Schulen bedeutet dass, einen kompetenzorientierten Mediengestaltungsunterricht zu entwickeln und ein verstärktes Interesse an den Benachteiligten zu fördern (vgl. Parycek, Maier-Rabler, Diendorfer, 2010, S. 230 ff ).

„Ein eigenes Unterrichtsfach „Medien“, „Medienerziehung“ oder „Mediengestaltung“ besteht derzeit im regulären Stundenplan an den österreichischen Hauptschulen/kooperativen Mittelschulen oder Gymnasien nicht. Im Rahmen ihrer Schulautonomie haben sich aber einige Schulen dazu entschlossen, einen Schwerpunkt im Bereich Medien/Medienerziehung zu legen, wobei im Unterricht, der von Schule zu Schule sehr unterschiedlich aussehen kann, zumeist weniger der kritische Umgang mit den Medien geschult, sondern (oft Projekt bezogen) v.a. der aktive gestalterische Umgang mit den verschiedenen Medientypen (Text, Bild, Audio, Film/Video) erlernt werden soll. Das Internet stellt dabei meist nur einen „Medientyp“ dar, mit dem sich die „Medienschulen“ beschäftigen.“ (Parycek, Maier-Rabler, Diendorfer, 2010, S. 15 ).

Es sind also schon Ansätze geschaffen, doch es fehlt noch immer die gezielte Förderung um SchülerInnen eine gute und bewusste Internetnutzung anzueignen. Ein Ziel sollte es sein, die Schulen besser auszustatten und damit zu beginnen den SchülerInnen ein Potential an gewissen Internetkompetenzen mitzugeben.

Quellen:

Hargittai, Eszter / Walejko, Gina (2008): The participation divide. Content creation an sharing in the digital age. In: Information, Communication & Society Vol. 11, Nr. 2, S. 239-256;

Mara, Martina (2013). Re: AW: Mediensoziologie WordPresseinladung.
e-mail: Martina.Mara@aec.at (13-06-19)

Resnick, Mitchel/ Myers, Brad/ Nakakoji, Kumiyo / Shneiderman, Ben/ Pausch, Randy/ Selker/ Eisenberg, Mike (2005). Design Principles for Tools to Support Creative Thinking. Forschungsbericht. Pittsburgh: Institute for Software Research. Paper 816.

Resnick, Mitchel (2007). Learning & Leading with Technology, S.18-22

Resnick, Mitchel (2010). Scratch. Online im Internet:

Parycek, Peter/Maier-Rabler, Ursula/Diendorfer, Gertraud (Hg.): Internetkompetenz von SchülerInnen. Themeninteressen, Aktivitätsstufen und Rechercheverhalten in der 8. Schulstufe in Österreich. Studienbericht. Wien/Salzburg/Krems: Juli 2010

http://player.vimeo.com/video/12035849?color=97bb5c (13-06-02)

Zillien, Nicole/ Hargittai, Eszter (2009): Digital Distinction. Status-specific Types of Internet Usage. In: Social Science Quarterly 90 (2), S. 274 – 291

 

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Ein Gedanke zu “Against Digital Distinction: Was tun gegen den Participation Divide?

  1. Es gefiel mir sehr gut, dass ihm Blogbeitrag auch neue Medien vorgestellt wurden wie Bsp. Scratch dadurch wurde nicht nur das zentrale Problem aufgegriffen, sondern auch Lösungsvorschläge für die Schule bereitgestellt und gerade dort soll die richtige nutzungsweise der neuen Technologien gelernt werden.

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