Mobile Living

Mobile Living

Wir alle, wuchsen auf, in einer Zeit, in der die Hosentaschen allerhöchstens mit dem Wohnungsschlüssel und dem Portemonnaie gefüllt waren. Termine oder Treffen mit Freunden, wurden meist von Angesicht zu Angesicht ausgemacht und die Uhrzeit und der Treffpunkt penibel eingehalten. Wenn man sich dann traf, sprach man mit Augenkontakt mit dem Gegenüber und war meist auch geistig beim Gespräch. Passanten registrierten einander beim Schlendern durch Einkaufsstraßen. Beim Warten auf das Transportmittel gönnte man sich einfach Zeit zum Durchatmen und vielleicht ergab sich auch die eine oder andere neue Bekanntschaft oder eine nette Plauderei.  Diese Zeit wurde ab dem Jahr 1992 (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Mobiltelefon) durch die flächendeckende GSM-Verbreitung verabschiedet und wir finden uns wieder, im Zeitalter der mobilen Kommunikation.

Rund 20 Jahre später dreht sich alles um die smarten Phones, welche unseren Alltag erleichtern sollen und immer und überall zur Informationsgewinnung genutzt werden können. Schnelle Internetverbindungen und hochtechnologisierte Endgeräte vereinen mittlerweile viele, zum Teil nützliche Funktionen in einem Endgerät. Fotografieren, Filmen, Musikwiedergabe, Navigation, Social Media, Terminplaner usw. zählen meist schon zu den Standard Funktionen unserer Telefone. Falls ein Gerät noch Wünsche offen lässt, kann man im Dschungel der App Stores nach unzähligen Zusatzfunktionen und gewünschten Erweiterungen suchen um sein Smartphone zu personalisieren. Bei allen Erleichterungen des Alltags durch diese Tendenz, muss man sich doch auch die Frage stellen, welche Veränderungen, dieser ganze technikbasierte Hype in unserem Sozialleben auslöst? Im speziellen möchte ich die Auswirkungen und Risiken bei Jugendlichen durchleuchten.
Bei einer 2012 durchgeführten Umfrage (Mobile Communication Report 2012), gaben bereits 84 % Prozent der unter 19 Jährigen an, ein Smartphone zu besitzen. Die meistgenutzte Funktion, ist neben dem Telefonieren und SMS schreiben der mobile Internetzugang. Bevorzugt wird dieser für das Teilnehmen an sozialen Netzwerken genutzt, um sich mit Freunden auszutauschen oder zu erfahren was es im Mikrokosmos an Neuigkeiten gibt.

Die ständige Möglichkeit zu kommunizieren, beinhaltet eine Art Sicherheit, um in kritischen Situationen Hilfe herbei zu rufen oder das der Anrufer eine Art Kontrolle bei dem gewünschten Gesprächspartner ausüben kann (zb. Eltern und Kinder). Viele Anrufe zu bekommen bedeutet ebenso einen höheren sozialen Status und betont die eigene Wichtigkeit (vgl. http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/medien/medgew/handy/bedeutung/). Nachteilig ist, dass die meisten Gespräche in der Öffentlichkeit passieren und Gespräche, welche früher im privaten Rückzugsraum stattgefunden haben, in den öffentlichen Raum verlegt werden. Jedoch scheint es, als würde hier das Schamgefühl abhanden kommen. Erstaunlich ist, dass Jugendliche damit weniger Probleme haben als ältere Generationen.

Die ständige Erreichbarkeit bedeutet, immer topaktuell informiert zu sein und nichts zu verpassen, was wiederum einen Informationsvorsprung bedeutet und somit wieder einen höheren Status. Jugendliche nutzen das Smartphone ebenso als eine Art der Selbstdarstellung. Gerade wenn sie auf der Suche nach der eigenen Identität sind, ist dies eine willkommene Identifizierungsmöglichkeit.

„Bildchen zeigen, welche Vorlieben sie haben, der individuelle Klingelton lässt das Handy unter allen anderen zu ihrem speziellen Handy werden.
Sie erhoffen sich letzten Endes auch soziale Anerkennung über den Besitz des „richtigen“ Geräts – ähnlich, wie das Erwachsene mit ihren Autos tun“
(http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/medien/medgew/handy/bedeutung/)

Hier liegt auch ein weiterer Risikofaktor für die Jugendlichen. Schnell tappt man in Abo-Fallen oder verliert den Überblick über die anfallenden Kosten. Hier erstaunt es also nicht, dass das Handy auf Platz 1 für Schulden bei Jugendlichen rangiert.

Durch die multimedialen Funktionen der Smartphones eröffnen sich auch kreative Möglichkeiten um sich selbst auszudrücken oder Inhalte zu erstellen oder bereitzustellen. Jedoch gibt es auch hier eine Kehrseite. Oftmals wurde schon von Happy – Slapping Videos berichtet die durch das Filmen von wahlloser Gewalt ihre Berühmtheit erlangten. Hier wird ohne Respekt vor anderen Menschen ein Opfer ausgewählt und vor laufender Kamera nach Strich und Faden vermöbelt oder auf alle erdenklichen Weisen gedemütigt. Ebenso werden solche Videos von sexuellen Nötigungen oder Übergriffen angefertigt und zur Belustigung im Freundeskreis geteilt oder sogar online gestellt. Dies ist eine sehr aggressive Form des Cybermobbing und hat ebenso eine strafrechtliche Relevanz.

Ein weiteres Problem, ist die uneingeschränkte Nutzung von Online Inhalten über Smartphones. Es gibt keinerlei Kontrolle über den Zugang zu jugendgefährdenden Inhalten und gerade im Bereich der Pornographie prägen sich die gesehenen Inhalte schnell ein und werden als normale Form der Liebe angesehen was schwerwiegende Folgen für die eigene Beziehungsfähigkeit haben kann. In Chatrooms, ist die Gefahr gegeben, dass Teenager zu unkritisch agieren und mit dubiosen Erwachsenen in Berührung kommen. (vgl. http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/medien/medgew/handy/risiken/)

Diese Teilaspekte sollen verdeutlichen, wie Wichtig die Auseinandersetzung mit dem Thema Handy bei Jugendlichen ist.  Eltern sowie Lehrer sind hier beauftragt, selbst gut mit der Problematik vertraut zu sein und einen sicheren Umgang weitergeben zu können. Medienkompetenz ist hier das Schlüsselwort. Handys sollten selbst in eigenen Unterrichtseinheiten kreativ zum Einsatz kommen aber ebenso auf die entstehenden Problematiken hinweisen. Hier kann man spielerisch auf Gefahren und den richtigen, medienkompetenten Umgang  hinweisen und ein Bewusstsein schaffen. Im Internet gibt es zahlreiche Plattformen, die sich mit dem Thema Handyumgang beschäftigen und Lösungsansätze bieten.

Quellen:

Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen – Handy und Smartphone. Download am 10.06.2013 von http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/medien/medgew/handy/

MMA Austria – Mobile Communication Report 2012
Download am 11.06.2013 von http://startmobile.mmaaustria.at/html/img/pool/2012_MMA_Communication_Report_kostenfreie_Praesentation.pdf

Wikipedia – Mobiltelefon, Download 10.06.2013 von
https://de.wikipedia.org/wiki/Mobiltelefon

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2 Gedanken zu “Mobile Living

  1. Bemerkenswert fand ich in diesem Zusammenhang, dass es offensichtlich eine subjektive Schwelle gibt, die den Wendepunkt markiert, wo genau das Handy vom Segen zum Fluch wird. Es wäre spannend zu untersuchen, ob es auch bei Kindern und Jugendlichen diese Schwelle gibt, oder ob sie erst ab dem Zeitpunkt entsteht, da Mobiltelefone ect. (auch) für den „Broterwerb“ genutzt werden.
    Zusätzlich eröffnet der Umgang mit Medien mancherorts eine neue „Anstandsdebatte“. Ich würds beispielsweise nicht gut aushalten, wenn in meinem Unterricht dauernd jemand an seinem mobilen Endgerät herumfingert – was teilweise selbst an der Uni durchaus üblich ist – wahrscheinlich bin ich da etwas altmodisch, vielleicht liegt das auch daran, dass ich doch etwas mehr Praxiserfahrung hab und mich deshalb durchaus in Lehrpersonen einfühle – ob ich will oder nicht ;-).
    Was ich damit mein, ist, dass die subjektiven Befindlichkeiten neue Medien betreffend nicht nur generationsbedingt auseinanderklaffen, sondern auch Rollen und Rollenbilder tangieren – was für ein Lehrerdasein durchaus Relevanz hat – nämlich insofern man den schmalen Grad finden sollte, weder als Medienmuffel dazustehen, noch sich den Schülern durch Präsenz in sozialen Medien anzubiedern, sich nicht unwissend oder ignorant zu geben, vielmehr sich im Bereich Medien alsExperte/Expertin zu etablieren, die/der ihre/seine Autorität nicht aus ihrer/seiner Funktion als LehrerIn sondern aus ihrem/seinem umfassenden Wissen und ihrer/seiner Urteilskraft bezieht.

  2. Eine für mich interessante Frage ist in diesem Zusammenhang, inwiefern sich diese neue Mediennutzung (also diese permanente Verbindung und der Zugang zu jeglichen Inhalten) auf die Kultur der jetzigen Generation auswirkt – und damit meine ich nicht nur das, was wir in erster Linie meist mit dem Begriff „Jugendkultur“ meinen, sondern vor allem, wie sich eben diese in die Zukunft entwickelt. Von der Post-Privacy-Bewegung haben wir ja schon gehört; auch die von Klaus erwähnte „Anstandsdebatte“ (im Kommentar über mir) zeigt ja, dass sich eine Generationen-Kluft aufgetan hat. Oft äußert sich diese durch den unterschiedlichen grad an Medienkompetenzen und -nutzung einerseits, andererseits auch (nicht selten) durch simple Empörung der „Älteren“ über diverse „neue Gewohnheiten“ der jungen Generation. Was du, Lukas, thematisch in deinem Blog-Eintrag beispielshalber anhand Gewaltvideos und Pornografie anschneidest, nämlich „neues“ Medien-Konsumverhalten und die daran gekoppelten Auswirkungen auf das Empfinden davon, was „normal/abnormal“ und „gut/schlecht“ ist, stellt für mich eines der Themen dar, welche man auf deinen Blog-Eintrag weiterführend behandeln könnte.
    In diesem Zusammenhang kann ich als Lektüre Neil Postmans „Das Verschwinden der Kindheit“, oder auch „Wir amüsieren uns zu Tode“ empfehlen, welche beide zwar nicht direkt die Auswirkungen von Handy/Smartphone/Internet betreffen, aber dennoch ein gutes, kritisches Grundgerüst an Gedanken anbieten können – und obendrein sehr leserlich sind.

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